Was zieht mich immer wieder magisch dort hin, wo angeblich die Nebel die Wahrheit verschleiern, wohin Tausende von Leuchttürmen entlang der Küste den Weg weisen, auch falsche Wege, Piraten mit Leuchtfeuern die Gutgläubigen in die Meeresbuchten auf Grund lockten und ausplünderten? Die unzähligen Wracks zeugen davon ebenso wie manch ein Gestrandeter, der seine Geschichte erzählt, wie er auf die Insel gespült wurde und nie wieder von ihr los kam. Die Verbundenheit mit der eigenen Scholle habe ich nirgendwo so ausgeprägt erlebt wie hier. Die „Scotians“ kommen immer wieder zurück auf ihr „masterpiece“, wie sie das Eiland liebevoll mit einem Augenzwinkern gen Himmel nennen, weil es ja SEIN Meisterstück ist. Spätestens nach einem stürmischen Leben kommen sie wieder her in den letzten Hafen für den Lebensabend.
Die Melancholie schwebt über allem und jedem, stärkt das Bewusstsein angesichts der Urgewalten der bizarren, bisweilen brutalen Natur , in der du nur ein Sandkorn in der ewigen Brandung bist, hin und her gespült nach den Gesetzen der Natur , dem Gezeitenstrom des Lebens . Der Himmel hängt tiefer als anderswo, oft vereint er sich unmerklich mit dem Horizont. Nirgendwo bin ich der Schöpfung so nahe wie hier.
Es ist nicht die pralle Fülle bekannter Traum-Orte, nicht die äußere Schau der Menschen . Das Paradies braucht keine Palmwedel. Spektakulär ist die simple Schönheit der Insel, das verborgene kleine Glück großer innerer Zufriedenheit der freundlichen in sich ruhenden Menschen , die dankbar sind , wenn sie abends wieder in den Fischerhafen einlaufen, den süssen unverkennbaren Duft des Mooses einatmen und überall die traditionelle schottisch/irische Fiddelmusik live hören, die von vergangenen Zeiten sehnsüchtig erzählt, als wäre die Entdeckung Nordamerikas, die von Cape Breton aus statt gefunden hat, gerade gestern oder vorgestern erst gewesen. Die Tradition ist hier stärker im Herzen bewahrt worden als in der Heimat, aus der Franzosen, Schotten, Iren und Deutsche vor über 300 Jahren in die neue Welt aufbrachen und den Inseln ihre eigenen Namen gaben. Die unzähligen Namen der Verschollenen auf Marmortafeln im Hafen z.B. von Lunenburg(ehemaliger Lüneburger) eingemeisselt „lost at sea“ tragen aber nicht nur das Datum vergangener Zeiten, auch heute bleiben Fischer allzu oft für immer auf dem Meer. In fast jeder Fischerfamilie gibt es dieses Schicksal . Es gehört dazu, dass Thunfisch und Hummer zur Not mit dem leben bezahlt wird, das ganze Jahr durch.
Auch in den harten Wintern von Cape Breton, denen noch ein kurzes, unvorstellbar farbiges Sterben der Blätter voraus geht: der INDIAN SUMMER. Der Indianer Sommer taucht die Ahornbäume und Birken in ein Meer von Gelb und Rot und ist vielleicht deshalb so einzigartig intensiv hier in de Highlands, weil das heftige Aufflammen der Natur schon im Bewusstsein der dann hereinbrechenden, erbarmungslosen Schneemassen erlebt wird. Wie die Menschen diese Wintermonate überleben, bleibt ihr Geheimnis- Oft genug sind die Strassen unbefahrbar, und wenn der Blizzard wieder die Oberlandleitungen umknickt, und Strom und Telefon für lange Stunden ausfallen, dann zündet man die immer bereit stehenden Kerze an und singt keltische Lieder, die vielleicht am ehesten diese Stimmung ausdrücken:
Get me through december (Natalie MacMaster) My heart is in the highlands, come by the hills, um nur ein paar zu nennen.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen